Ueber Geschwindigkeitsunterschiede: Fast Forward oder Zeitsprung (Virilio: Pyknolepsie) - Im Unterschied zur gewoehnlichen Reise, wo man entweder ungefaehr bei einer Geschwindigkeit bleibt, oder aber die schnellen Befoerderungsmittel die Reise eingrenzen, oder zumindest in Abschnitte teilen, ist hier der Geschwindigkeitswechsel wichtiges strukturelles Element: an einem Tag Radfahren, dann Zugfahren, dann wieder Radfahren. Ein Vorgang, der sich schon diverse male wiederholte. Wenn man einen solchen Tag rekapituliert oder aufzuzeichnen versucht, hat man entweder das Gefuehl, zwischendurch sei schneller vorgespult worden (FastForward) oder es fehlten einem einfach Teile der Erinnerung (Zeitsprung). Dieser Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist auch fuer das Fahrradfahren in bergiger Landschaft charakteristisch: starke Verlangsamungen (die oft mit dem Effekt eines sehr eingegrenzten Gesichtsfeldes - der angestrengte Blick auf die Strasse direkt vor mir, oder sehnend zur naechsten Kehre - einhergehen; vor mir kein Horizont, nur ansteigende Strasse) wechseln mit extremen Beschleunigungen ab, die einen Overload an Eindruecken mit sich bringen (der Moment des Ueberfahrens einer Kuppe, einer Passhoehe, wenn der Blick sich schlagartig weitet und im Hinunterfahren der Horizont weit weit nach unten faellt, so dass Platz wird fuer einen ungeheuren Ausschnitt. Im Hinblick auf das Fahrradfahren in bergiger Landschaft koennte man also von einer Verdoppelung dieses Slow-FastForward-Prinzips sprechen, wenn eine solche Tour sich zwischendurch auch noch maschinengetriebener Verkehrsmittel bedient.