Engadin, 5.9.
Vormittags Zarathustra, Notebook aufladen, Zelt saubermachen und Fahrradpflege. Der Himmel reißt vielversprechend hier und dort auf. Spätes Frühstück in der Sonne, windgeschützt vorm Zelt.
Mit dem Rad bei scharfem Gegenwind (der im Baltikum war nix dagegen!) nach Maloja. Aussichtsturm auf der Kante zwischen Bergell (Italien) und Engadin mit rasend schnell vorbeiziehenden Nebelschwaden und Wolken (erstere "ein lokales Phänomen", wie eine Hinweistafel zum Naturschutzgebiet mich aufklärt). Ein alter Bergmann, der ausschaut wie Luis Trenker, ist beeindruckt von meinem Notebook/Webcam-Aufbau, als ich viel Zeit darauf verwende, ein scharfes Photo zustandezubringen (diese Webcam ist wirklich ein Handycap, aber ich wollte es ja so, von wegen Konzept). Auf den Etagen des Aussichtsturms Kunst und Jugendliche, die romanisch sprechen, was eine bemerkenswerte Mischung aus schweizerischer Aussprache und italienischen Wörtern ist. Besuch im Segantini-Atelier, Ausstellung zu seinem 100. Todestag (die Öffnungszeiten sind recht kurz hier, aber wie gestern schon beim Nietzsche-Haus habe ich auch heute Glück und komme zufällig während der kurzen Öffnungsstunden zwischen 3 und 6). Das Gemälde auf der Postkarte, die ich erwerbe, hängt ausgerechnet in der Münchner Pinakothek.
Rückfahrt im warmen schrägen Spätnachmittagslicht auf der anderen Seite des Silser Sees. Endlich kann man auch größere Stücke der 3000er auf beiden Seiten des Tals sehen (Gletscherzungen). Ich las von Marcel Proust und zwei jungen französischen Adligen, die sich angesichts eines Sonnenuntergangs am Silser See der Tränen nicht erwehren konnten. War es die schnelle Fahrt oder war es das Engadiner Hoch, die mir Tränen in die Augen trieben?
Weil ich unersättlich bin, war ich dann noch im - saukalten - Silser See schwimmen (und mußte an die Schlußszene im "Glasperlenspiel" denken, wo der Alte im kalten Gebirgssee einen Herzschlag erleidet, was aber dem Roman durchaus kein trauriges Ende bereitet, und an Zarathustras "untergehen"), bevor ich das Nietzsche-Haus - zur Freude eines schwäbelnden älteren Herrn - mit der Webcam aufnahm und den Zarathustra-Stein nicht fand (zu meiner Verwunderung und, schon fast, Empörung).

Ich hatte seit dem Frühstück nur eine Birne gegessen und ein paar gefundene Sanagol Gummibonbons, und dann dies:
aus der Campingküche:Rote Linsen sind der ideale All-in-One-Trägerstoff für die gehobene Campingküche (die Entdeckung des heutigen Tages). Ihre Garzeit beträgt nämlich nur 10 Minuten.
Ich briet in kleine Würfel geschnittene Salami im größten Topf (Trangia, Durchmesser 16 cm, schätze ich) (es geht natürlich auch ohne Salami, aber sie ist eine köstliche Geschmacksgrundlage; diese hier war Mailänder mir Knoblauch). Wenig später fügte ich 1/2 Stange kleingeschnittenen Lauch und 1 Zehe grobgehackten Knoblauch hinzu; nochmal etwas später gefolgt von 1 in mittelgroße Stücke geschnittenen kleinen Zucchini. Das würzte ich mit Rosenpaprika, reichlich Pfeffer und ca. 1 TL ganzem Kümmel, bevor ich die roten Linsen (1 ü Tassen) hinzufügte und noch großzügig Senf hinterher (Löwensenf, extra scharf, bestimmt 1 TL) und gründlich umgerührt. Dann stellte ich das Ganze erstmal beiseite und brachte 3 Tassen Wasser (die doppelte Linsenmenge) zum Kochen (es ist besser, den Garprozeß gleich mit kochendem Wasser zu beginnen, damit das Gemüse nicht matschig wird). Das Linsengemüse noch mal kurz aufs Feuer, mit dem kochenden Wasser übergossen, umgerührt, Deckel drauf, 10 Minuten köcheln gelassen, ab und zu umgerührt (kein Salz dazu, bevor die Linsen gar sind, das verlängert die Garzeit deutlich; was übrigens für alle Hülsenfrüchte gilt).
Als die Linsen fast gar waren (noch bissig), schüttete ich die verbliebe Flüssigkeit in einen Becher und trank sie - war köstlich! (Ich hätte sie auch bei großer Flamme einkochen lassen können, aber ich wollte nicht riskieren, dass das Gemüse doch noch matschig wird; zu diesem Zeitpunkt waren die Zucchini perfekt: weich, aber nicht schleimig) Ich mischte noch 2 kleingehackte Tomaten und 1 kleingehackte Zehe Knoblauch unter, schmeckte mit Pfeffer, wenig Salz (die Salami!) und etwas Senf ab (zuhause hätte ich vermutlich auch noch etwas Essig dazugetan) und ließ das Gericht weitere 5 Minuten bei ganz kleiner Flamme durchziehen. Fertig. Dazu Brot und Rotwein.
(Die Beschreibung hat wahrscheinlich länger gedauert als das Gericht, letzteres nämlich 20 Minuten; und ich habe noch eine Portion für meine morgige Paßfahrt übrig.)