Freiburg, 28.8.

Die Langsamkeit macht sich sofort und dann überall bemerkbar: atemberaubend langsame Bedienung am Marktstand, ausführlichste Beratung in der Touristeninformation - trotz Schlange und einer einzigen verbliebenen Beratungskraft -, ungekannt lange Ampelintervalle, nicht nur die Fußgänger diskriminierend, sondern für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen langwierig, die einen minutenlang an der Funktionstüchtigkeit der Ampelanlage zweifeln lassen. Was einen zurückhält, ist lediglich die entspannte Wartehaltung aller anderen Verkehrsteilnehmer (mit Ausnahme einiger Fahrradfahrer, hier wie überall die mit den energischsten Hummeln im Hintern ausgestatteten Verkehrsteilnehmer).
Dies stattet mir die Ausführungen Martin Heideggers über Schöpferische Landschaft: Warum bleiben wir in der Provinz?", aus denen die im Teletext zitierte Passage zur Immanenz des bäuerlichen und des philosophisch/denkerischen Waltens stammt, mit einer pragmatischen Aktualität aus.

Auf dem Campingplatz gediegene Alternativität: Der indirekt autoritäre Alt-68er-Style-Campingplatzbesitzer macht um 22.00 Uhr seine Runde zwischen lauter sehr ruhigen und rücksichtsvollen Kerzenrunden und weist auf die geltenden Nachtruhebestimmungen hin, nach denen jetzt jede "Party" zu beenden sei. Das Argument ist das des gleichen Rechts für alle: Wenn er jetzt uns ruhigen Runden erlaube, fortzufahren, wie könne er dann die Ghettoblasterjugendlichen im Zaum halten, wenn die mal wieder Einzug gehalten haben?
(Der Typ weckt unangenehme Erinnerungen an die Riege von glatten, ungreifbaren, verständnisvollen und -heischenden Altachtundsechziger-Lehrern, unter deren - oft schon gebrochen - engagierten alternativem Regime grosszuwerden meine Schulzeit mehr pr¨gte als das zu diesen Zeiten schon sehr anachronistische vordergründig autoritäre Element der Lehrer "aus der alten Schule".)